Florianopolis, Brasilien

An der Universität herrscht grundsätzlich Anwesenheitspflicht. Große Unterschiede sind zudem auch die Gestaltung der Vorlesungen. So gibt es kleine Seminare bis max. 30 Studenten. Über das Semester verteilt gibt es mehrere Klausuren, eine Gruppenarbeit und eine individuelle Aufgabe. In Leistungselektronik für aktive Verteilungskomponenten habe ich zum Beispiel mit einem Kommilitonen einen Konversor der Topologie DAB dimensioniert und analysiert. Über das Semester verteilt waren Aufgaben wie die Dimensionierung einer Wasserstoffzelle für die Bereitstellung von Primärregelleistung anzufertigen. Bevor ich nach Brasilien kam, dachte ich, dass die Anforderungen hier niedriger seien als an der RWTH. Ich musste jedoch dann schnell feststellen, dass dies für den technischen Bereich jedenfalls keinesfalls so war.

Wenn ich andere Städte in Brasilien besuche und mich mit anderen Brasilianern unterhalte, kommt unvermeidlich die Frage: Ondevocêmora (Wo wohnst du)? Dann sage ich: Florianópolis oder wie viele Einheimische einfach sagen – Floripa. Die Antwort ist dann sehr oft. Ohhh, vocêmoranumparaíso (Ohhh, du lebst im Paradies).

Stromausfall, nicht schon wieder. Das dachte ich nachdem es einige Wochen zuvor schon einmal einen Stromausfall gegeben hatte. Meine Vermieterin kommt und sagt zu mir: Na, was ist das für ein Sch… hier – natürlich schon mit einem Lächeln im Gesicht! Dann antworte ich: Sie wissen doch: Wir sind da, wo alles möglich ist, aber nichts sicher (eine amüsantes Sprichwort auf Portugiesisch: Bemvindoao Brasil, ondetudo é possívelmasnada é seguro).

Josef Bernholz

Madison, USA

In meinem ersten Semester habe ich die Kurse ME 547 Physics-Based Modelling for Computer Control und ME 746 Dynamics of Controlled Systems besucht. Vom deutschen System her war ich es gewohnt, dass ich in einem Semester fünf und mehr Vorlesungen hören konnte. Meine Kommilitonen und Professor Lorenz hatten mir jedoch sehr davon abgeraten, womit sie Recht behielten. Wir hatten zwar nur pro Veranstaltung drei Stunden Vorlesung, doch die Hausaufgaben waren sehr aufwändig. Diese sind auf 15 Stunden angesetzt, doch in der Realität war deutlich mehr Zeit zur Bearbeitung notwendig. Die Ergebnisse der Hausaufgaben mussten in einem vier bis zehn seitigen Report zusammengefasst werden und wurden von Professor Lorenz selbst korrigiert. Fragen und Diskussion waren sehr erwünscht und wurden von Professor Lorenz sehr während der Vorlesung begrüßt. Man konnte ihn aber auch nach der Vorlesung, während seinen Sprechstunden oder auch per Email (von drei Uhr morgens bis zwölf Uhr nachts) gut erreichen. Dies war vor allem für die vielen Offcampus Studenten eine gute Möglichkeit Unklarheiten zu erklären. Offcampus Studenten waren Studenten aus der Industrie, die neben dem Beruf noch einen Abschluss machten oder auch nur mit einzelnen Vorlesungen ihr Wissen vertiefen wollten.

Neben den Hausaufgaben, gab es eine Zwischen- und eine Abschlussklausur. Die Vorlesungen wurden alle auf Video aufgezeichnet, sodass man vieles zu Hause noch mal wiederholen konnte. Die zehn Monate, die ich in Madison verbracht habe, haben mich nicht nur fachlich weitergebracht – ich konnte mich auch persönlich weiterentwickeln. Ich habe nicht nur viel über die amerikanische Lebensweise gelernt, sondern auch viel über die europäische – denn ohne zu wissen wie die Dinge in einem anderen Land laufen, kann man auch nicht wissen, was wirklich typisch für das eigene Land ist.

Marc Petit

Boston, USA

Eine sehr interessante Einrichtung des MITs fand ich das sogenannte Media Lab, in dem an neuen Medien-, Kommunikations-, und Computersystemen geforscht wurde. Ein anderer interessanter Aspekt war, dass regelmäßig weltbekannte Firmen wie IBM, Apple, Google, Lego, ExxonMobile oder Shell abendliche Vorträge am MIT hielten und mit interessanten Themen viele Studierende motivierten, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen.

Der Winter in Boston ist mitunter sehr kalt und ich habe mich bei der ersten Schneesturmwarnung mit Lebensmitteln und Wasser eingedeckt. Alles halb so schlimm. Zwei Tage nach dem ersten Schneesturm wurde die Universität wieder geöffnet und Boston hatte sich in eine Winderlandschaft mit 50 cm Schnee verwandelt. Die nächsten Schneestürme nahm ich gelassener hin und besorgte mir anstatt Essen für eine Woche, Skier um zur Uni zu gelangen.

Ein Professor an der RWTH Aachen hatte mir im Laufe seiner Vorlesung den Rat gegeben „Gehe immer den schwierigsten Weg, denn es ist der Richtige“. Inzwischen weiß ich, dass er Recht behalten hat und ich würde denselben Weg jederzeit wieder einschlagen, da ich ein fantastisches halbes Jahr […..] verbringen durfte.

 

Yannik Sparrer

Beijing, China

Auffällig ist, dass neben den Studenten auch aktive und ehemalige Professoren, Doktoranden, akademisches und nicht-akademisches Personal sowie Angehörige und Kinder der genannten Berufsgruppen auf dem Campus Unterkunft finden. Dies macht sich in einer überaus heterogenen Sozial- und Altersstruktur innerhalb des Geländes der USTB bemerkbar, sodass die Universität vielmehr wie eine ummauerte Kleinstadt innerhalb von Peking wirkt.

Die Lehrstätten sind im Vergleich zu den Sportanlagen weniger augenfällig, zumal Vorlesungen an der USTB nicht wie an deutschen Hochschulen üblich in großen Auditorien stattfinden, sondern im Rahmen von maximal 40 bis 50 Studenten gehalten werden. Es ergibt sich hieraus ein verglichen mit der RWTH engeres Verhältnis zwischen Studenten und Lehrkräften.

Die Mitglieder unserer Reisegruppe nahmen an einem mehrwöchigen Anfängerkurs in der
chinesischen Amts- und Landessprache Mandarin teil, in dem zunächst die für westliche Zungen teilweise schwerlich aussprechbaren Grundlaute eingeübt wurden, bevor diese dann zu einzelnen Wörter zusammengefügt und daraus schließlich ganze Sätze für den täglichen Gebrauch gebildet wurden. Zudem bekamen wir einen Crash-Kurs in chinesischer Kalligraphie, d.h. die Kunst von der chinesischen Handschrift, in dem uns im Alltag nützliche Zeichen beigebracht wurden. Darüber hinaus nahmen wir an mehreren Führungen des Instituts für Metallurgie und Materialwissenschaften an der USTB teil, in denen uns die Labore, Werkstätten, Maschinen und Instrumente sowie deren Benutzung demonstriert wurden. In praktischen Übungseinheiten durften wir zudem selbst Hand anlegen und z.B. Gießerei- und Konstruktionsarbeiten durchführen. Uns fiel hierbei auf, dass die universitäre Ausbildung in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen an der USTB neben den theoretischen Grundlagen auch sehr stark praktische Aspekte akzentuiert. So werden chinesische Studenten häufig in Tätigkeiten geschult, die in Deutschland Auszubildenden und Lehrlingen in der Wirtschaft im Rahmen des dualen Ausbildungssystems vermittelt werden wie z.B. Schweißen oder Arbeiten an der CNC-Drehbank.