20 Jahre
Stipendien weltweit
34 Jahre
Förderung der RWTH Institute
75
Wissenschaftliche Projekte
Ziele

Aus der Originalfassung der Satzung 1970: §2 Stiftungszweck

(1)
Ausschließlicher und unmittelbarer Zweck der Stiftung ist die Förderung der Wissenschaften an der RWTH Aachen unter besonderer Berücksichtigung des wissenschaftlichen Nachwuchses durch

a)
Förderung bestimmter, fachlich und zeitlich begrenzter wissenschaftlicher Arbeiten und ihrer Veröffentlichungen,

b)
Stipendien oder andere angemessene Beihilfen in jeglicher Form an Studierende, Assistenten, Doktoranden oder sonstige Angehörige der begünstigten Institution,

c)
Unterstützung der Lehr- und Forschungseinrichtungen,

d)
Alle sonstigen Maßnahmen, die geeignet sind, dem Stiftungszweck zu dienen.

Geschichte

1900 Otto Junker geboren
1924 Otto Junker GmbH, Stolberg (Großauftrag Fa. Hirsch bei Berlin, kleine Produktionsstätte in Stolberg muss erweitert werden)
1924 Entscheidung für Standort Lammersdorf
1925 Übernahme der Geschäftsführung
1960 insgesamt 100 deutsche, englische, französische und amerikanische Patente
1962 Verleihung der Ehrendoktorwürde an Otto Junker von den Fakultäten für Elektrotechnik und Bergbau & Hüttenwesen
1970 Errichtung der Otto-Junker-Stiftung, Rückzug aus der Geschäftsführung, Vorsitz im neugegründeten Aufsichtsrat
1982 Tod Otto Junkers, Stiftung beginnt mit Förderung der RWTH Aachen
Seit 1989 Reisestipendien für Studierende
Seit 1992 Vergabe der Otto-Junker-Preise an herausragende Studierende der Fachgruppen Metallurgie und Werkstofftechnik sowie der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik.

Struktur
Stipendien weltweit

Otto-Junker-Stipendien stehen den an der RWTH vollimmatrikulierte Studierende der Studiengänge „Elektrotechnik und Informationstechnik“ sowie der „Metallurgie und Werkstofftechnik“ mit guten Studienleistungen zur Teilfinanzierung von Auslandsstudienvorhaben zur Beantragung bereit.

Ausführliche Informationen und Antragsformulare zu den Stipendien. HIER.

Erfahrungsberichte

Auslandsaufenthalte während des Studiums stellen nicht nur sprachlich und akademisch eine Herausforderung dar, sondern bedeuten in vielen Fällen auch neue soziale und kulturelle Erfahrungen. Seit 1994 wurden über 70 Auslandsaufenthalte gefördert, deren Zielorte in der Weltkarte verzeichnet sind. Aus den Reiseberichten werden im Folgenden einige interessante Aussagen zu Land und Leuten wiedergegeben.

Florianopolis, Brasilien

An der Universität herrscht grundsätzlich Anwesenheitspflicht. Große Unterschiede sind zudem auch die Gestaltung der Vorlesungen. So gibt es kleine Seminare bis max. 30 Studenten. Über das Semester verteilt gibt es mehrere Klausuren, eine Gruppenarbeit und eine individuelle Aufgabe. In Leistungselektronik für aktive Verteilungskomponenten habe ich zum Beispiel mit einem Kommilitonen einen Konversor der Topologie DAB dimensioniert und analysiert. Über das Semester verteilt waren Aufgaben wie die Dimensionierung einer Wasserstoffzelle für die Bereitstellung von Primärregelleistung anzufertigen. Bevor ich nach Brasilien kam, dachte ich, dass die Anforderungen hier niedriger seien als an der RWTH. Ich musste jedoch dann schnell feststellen, dass dies für den technischen Bereich jedenfalls keinesfalls so war.

Wenn ich andere Städte in Brasilien besuche und mich mit anderen Brasilianern unterhalte, kommt unvermeidlich die Frage: Ondevocêmora (Wo wohnst du)? Dann sage ich: Florianópolis oder wie viele Einheimische einfach sagen – Floripa. Die Antwort ist dann sehr oft. Ohhh, vocêmoranumparaíso (Ohhh, du lebst im Paradies).

Stromausfall, nicht schon wieder. Das dachte ich nachdem es einige Wochen zuvor schon einmal einen Stromausfall gegeben hatte. Meine Vermieterin kommt und sagt zu mir: Na, was ist das für ein Sch… hier – natürlich schon mit einem Lächeln im Gesicht! Dann antworte ich: Sie wissen doch: Wir sind da, wo alles möglich ist, aber nichts sicher (eine amüsantes Sprichwort auf Portugiesisch: Bemvindoao Brasil, ondetudo é possívelmasnada é seguro).

Josef Bernholz

Madison, USA

In meinem ersten Semester habe ich die Kurse ME 547 Physics-Based Modelling for Computer Control und ME 746 Dynamics of Controlled Systems besucht. Vom deutschen System her war ich es gewohnt, dass ich in einem Semester fünf und mehr Vorlesungen hören konnte. Meine Kommilitonen und Professor Lorenz hatten mir jedoch sehr davon abgeraten, womit sie Recht behielten. Wir hatten zwar nur pro Veranstaltung drei Stunden Vorlesung, doch die Hausaufgaben waren sehr aufwändig. Diese sind auf 15 Stunden angesetzt, doch in der Realität war deutlich mehr Zeit zur Bearbeitung notwendig. Die Ergebnisse der Hausaufgaben mussten in einem vier bis zehn seitigen Report zusammengefasst werden und wurden von Professor Lorenz selbst korrigiert. Fragen und Diskussion waren sehr erwünscht und wurden von Professor Lorenz sehr während der Vorlesung begrüßt. Man konnte ihn aber auch nach der Vorlesung, während seinen Sprechstunden oder auch per Email (von drei Uhr morgens bis zwölf Uhr nachts) gut erreichen. Dies war vor allem für die vielen Offcampus Studenten eine gute Möglichkeit Unklarheiten zu erklären. Offcampus Studenten waren Studenten aus der Industrie, die neben dem Beruf noch einen Abschluss machten oder auch nur mit einzelnen Vorlesungen ihr Wissen vertiefen wollten.

Neben den Hausaufgaben, gab es eine Zwischen- und eine Abschlussklausur. Die Vorlesungen wurden alle auf Video aufgezeichnet, sodass man vieles zu Hause noch mal wiederholen konnte. Die zehn Monate, die ich in Madison verbracht habe, haben mich nicht nur fachlich weitergebracht – ich konnte mich auch persönlich weiterentwickeln. Ich habe nicht nur viel über die amerikanische Lebensweise gelernt, sondern auch viel über die europäische – denn ohne zu wissen wie die Dinge in einem anderen Land laufen, kann man auch nicht wissen, was wirklich typisch für das eigene Land ist.

Marc Petit

Boston, USA

Eine sehr interessante Einrichtung des MITs fand ich das sogenannte Media Lab, in dem an neuen Medien-, Kommunikations-, und Computersystemen geforscht wurde. Ein anderer interessanter Aspekt war, dass regelmäßig weltbekannte Firmen wie IBM, Apple, Google, Lego, ExxonMobile oder Shell abendliche Vorträge am MIT hielten und mit interessanten Themen viele Studierende motivierten, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen.

Der Winter in Boston ist mitunter sehr kalt und ich habe mich bei der ersten Schneesturmwarnung mit Lebensmitteln und Wasser eingedeckt. Alles halb so schlimm. Zwei Tage nach dem ersten Schneesturm wurde die Universität wieder geöffnet und Boston hatte sich in eine Winderlandschaft mit 50 cm Schnee verwandelt. Die nächsten Schneestürme nahm ich gelassener hin und besorgte mir anstatt Essen für eine Woche, Skier um zur Uni zu gelangen.

Ein Professor an der RWTH Aachen hatte mir im Laufe seiner Vorlesung den Rat gegeben „Gehe immer den schwierigsten Weg, denn es ist der Richtige“. Inzwischen weiß ich, dass er Recht behalten hat und ich würde denselben Weg jederzeit wieder einschlagen, da ich ein fantastisches halbes Jahr […..] verbringen durfte.

 

Yannik Sparrer

Beijing, China

Auffällig ist, dass neben den Studenten auch aktive und ehemalige Professoren, Doktoranden, akademisches und nicht-akademisches Personal sowie Angehörige und Kinder der genannten Berufsgruppen auf dem Campus Unterkunft finden. Dies macht sich in einer überaus heterogenen Sozial- und Altersstruktur innerhalb des Geländes der USTB bemerkbar, sodass die Universität vielmehr wie eine ummauerte Kleinstadt innerhalb von Peking wirkt.

Die Lehrstätten sind im Vergleich zu den Sportanlagen weniger augenfällig, zumal Vorlesungen an der USTB nicht wie an deutschen Hochschulen üblich in großen Auditorien stattfinden, sondern im Rahmen von maximal 40 bis 50 Studenten gehalten werden. Es ergibt sich hieraus ein verglichen mit der RWTH engeres Verhältnis zwischen Studenten und Lehrkräften.

Die Mitglieder unserer Reisegruppe nahmen an einem mehrwöchigen Anfängerkurs in der
chinesischen Amts- und Landessprache Mandarin teil, in dem zunächst die für westliche Zungen teilweise schwerlich aussprechbaren Grundlaute eingeübt wurden, bevor diese dann zu einzelnen Wörter zusammengefügt und daraus schließlich ganze Sätze für den täglichen Gebrauch gebildet wurden. Zudem bekamen wir einen Crash-Kurs in chinesischer Kalligraphie, d.h. die Kunst von der chinesischen Handschrift, in dem uns im Alltag nützliche Zeichen beigebracht wurden. Darüber hinaus nahmen wir an mehreren Führungen des Instituts für Metallurgie und Materialwissenschaften an der USTB teil, in denen uns die Labore, Werkstätten, Maschinen und Instrumente sowie deren Benutzung demonstriert wurden. In praktischen Übungseinheiten durften wir zudem selbst Hand anlegen und z.B. Gießerei- und Konstruktionsarbeiten durchführen. Uns fiel hierbei auf, dass die universitäre Ausbildung in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen an der USTB neben den theoretischen Grundlagen auch sehr stark praktische Aspekte akzentuiert. So werden chinesische Studenten häufig in Tätigkeiten geschult, die in Deutschland Auszubildenden und Lehrlingen in der Wirtschaft im Rahmen des dualen Ausbildungssystems vermittelt werden wie z.B. Schweißen oder Arbeiten an der CNC-Drehbank.

Otto-Junker-Preis
Kriterien

Die Definition der Leistungskriterien bei den Otto-Junker-Preisträgern ist folgende:

  1. Studium in Regelstudienzeit
  2. Herausragende Noten im Studium sowie in der Abschlussarbeit
  3. Die Relevanz der Abschlussarbeit, die einen Beitrag zu aktuellen wissenschaftlichen oder technischen Fragen liefert
  4. Die Gesamtpersönlichkeit, die in einem Gutachten durch den betreuenden Fachprofessor gewürdigt wird

Liste der Preisträger als PDF-Datei

Förderprojekte

Seit 1982 – nach dem Tod von Otto Junker – werden an der RWTH Aachen zahlreiche Forschungs- und Infrastrukturprojekte in den Bereichen Metallurgie und Werkstofftechnik sowie in der Elektrotechnik durch die Otto-Junker-Stiftung gefördert.

Einige ausgewählte Projekte werden hier kurz vorgestellt.

Gießerei-Institut | Prof. Bührig-Polaczek

Modernisierung der Ofen- und Schmelztechnik zur Prozessierung von innovativen Gusswerkstoffen
Durch eine gemeinsame Finanzierung der Otto-Junker-Stiftung und des Forschungsgroßgeräte-Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft konnte am Gießerei-Institut eine neue Mittelfrequenz-Induktionsofenanlage in Tandembauweise mit freier Frequenzwahl zum Umrühren der Schmelze und optionalem Schutzgasbetrieb realisiert werden. Neben dem Schmelzaggregat wurde die technische Ausstattung um eine Gießperipherieerweitert, welche eine Pfannenvorheizstation sowie Gieß- und Behandlungspfannen unterschiedlicher Größe beinhaltet. Dies ermöglicht das schnelle und sichereProzessieren von Eisen-, Aluminium-, Kupferlegierungen und weiteren Metallen. Die modernisierte Ofentechnik bildet auch ein Kernstück in der studentischen Ausbildung und findet Einsatz in aktuellen öffentlich sowie industriell geförderten Forschungsprojekten. So lässt sich bspw. durch die Erhöhung der zur Verfügung stehenden Schmelzekapazität (70 bzw. 250 kg Gusseisen bzw. Stahl) die Legierungs- und Prozessentwicklung von hochsiliziumhaltigen Gusseisen mit Kugelgraphit für dickwandige Bauteile in Windkraftanlagen vorantreiben.

Die Abbildung zeigt den Abstich einer 1500 °C heißen Gusseisenschmelze.

Gießerei-Institut | Prof. Bührig-Polaczek

Laborerweiterung zur Charakterisierung von Formstoffen hinsichtlich der Bestimmung thermochemischer und physikalischer Eigenschaften, GI
Zur Visualisierung und Messung des Verzugs und der Deformation von Bauteilen und Prüfkörpern wurde mit freundlicher Unterstützung der Otto-Junker Stiftung im Jahr 2011 ein optisches Messsystem der Fa. GOM vom Typ Aramis angeschafft. Das Analysegerät findet seither intensiven Einsatz in Forschung und Lehre. Durch eine aus Eigenmitteln finanzierte Systemerweiterung im Jahre 2013 ist das Gerät nunmehr auch in der Lage hochdynamische Realprozesse hinsichtlich des Verformungsverhaltens mit hoher Ortsauflösung zu analysieren. In diesem Zusammenhang  wird die Gerätschaft im Großen Gießereitechnischen Praktikum eingesetzt, um den Studierenden beispielsweise den thermischen Verzug von Sandkernen unter Einfluss des Gießmetalls zu verdeutlichen.

Die Abbildung zeigt einen Versuchsaufbau zur Analyse des Verformungsverhaltens beim klassischen Zugversuch an einer metallischen Probe.

Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe | Prof. De Doncker

Laborerweiterung zur Charakterisierung von Formstoffen hinsichtlich der Bestimmung thermochemischer und physikalischer Eigenschaften

Im Rahmen des Projektes wurde untersucht, inwiefern aktive Gleichrichter in induktiven Schmelzöfen mit Leistungen im Mega-Watt-Bereich zur Verbesserung der Netzqualität eingesetzt werden können. Es wurde gezeigt, dass sich für die Anwendungen durch den hohen Strombedarf bei relativ niedriger Spannung ein selbstgeführter Umrichter mit Stromzwischenkreis besonders eignet und eine erhebliche Verbesserung der Netzqualität erzielt werden kann. Für das Netzfilter des Umrichters wurde ein spezieller Zustandsregler mit Erweiterung um resonante Regler verwendet, die eine hohe Dynamik bei geringem Rechenaufwand ermöglichen. Es wurde ein herunterskaliertes Labormuster (siehe Foto) mit einer Nennscheinleistung von S = 11 kVA aufgebaut, an dem das entworfene Regelungskonzept erfolgreich verifiziert werden konnte.

Fachgruppe M&W

Förderung der Öffentlichkeitsarbeit der Fachgruppe M&W

Seit den späten 1990er Jahren, als die Studierendenzahlen im Bereich Metallurgie & Werkstofftechnik sehr niedrig waren, hat die Otto-Junker-Stiftung Projekte in der Öffentlichkeitsarbeit der Fachgruppe unterstützt.
Für eine verbesserte Außendarstellung der Institute und deren Forschungsschwerpunkte sowie zur ansprechenden Gestaltung von Schülerprospekten wurden Mittel der Otto-Junker-Stiftung eingesetzt; in den folgenden Jahren konnten auch regelmäßig die Druckkosten für Aktualisierungen damit gedeckt werden. Weiterhin wurden die Kosten für Schüler-Informationsveranstaltungen oder die Vertretung bei Schülermessen, wie bspw. der „Einstieg Abi“ über die Otto-Junker-Stiftung getragen. In diesem Zusammenhang konnten auch Exponate für die Präsentation der Fachgruppe nach außen beschafft und realisiert werden.
Im Laufe der Zeit sind die Studierendenzahlen kontinuierlich gestiegen, sodass die Investition als erfolgreich und zielführend eingestuft werden kann.